Wir,
Martinus ad gratias dei Mundorf • chef imp rex imperio mundorfi univ • dux auerbergensis • praesidentus iusosque ahrweilerensis ex officio • tribunitias potestas iusorum II • amicus proletarii • defendor iust soci • filius urbs ricomagus et vicus globistrus • rhenanius catholicus • mohicanus ultimus •
Wünschen:
Den lieben Mitmenschen, Kommilitonen, Genossen und allen anderen!
Ob Mann, Frau, jung, alt, groß, klein, Jusos, Sozialdemokraten, politische Konkurrenz, Rheinländer, Musikwissenschaftler, allein erziehende Mütter, Eisenbahnfreunde, Germanisten, Archäologen, Belgier, Geografen, Kommunalpolitiker, Historiker, Krankenschwestern, BaföG-Empfänger, Zugezogene, Protestanten, Atheisten, Tradis, Pragmatiker, Homos, Heteros, Finanzbeamtinnen, Juristen, Rentner, Rheinhessen, Westfalen, Pfälzer, und weiß der Kuckkuck noch:
Eine frohe und jesechnete Weihnachtszeit, einen juten Rutsch und Jottes Sejen für das Jahr 2011.
Was Wulff und Merkel können, kann ich auch...
Da mein Hirn bisweilen wie eine deutsche Behörde funktioniert (das erklärt sowohl das Tempo als auch die Transparenz meiner Denkprozesse und deren Ergebnisse), hat es etwas gedauert, um den nachfolgenden Text auszuarbeiten. Ich bitte das zu entschuldigen. Dafür sind es dann aber auch ein paar Seiten geworden – die ideale Lektüre für lange Winterabende oder Sitzungen menschlicher Natur...
Zur besseren Navigation: Der erste Teil ist der Jahresrückblick an sich, dann folgt mein Kommentar zur Religion, und dann mein Kommentar zu Politik, Staat, Gesellschaft und SPD. Ganz zum Schluß kommt (welch Überraschung) das Schlußwort.
Und wieder geht ein Jahr zur Neige.
Das Jahr 2010 in wenigen Sätzen rückblickend zusammen zu fassen ist keine leichte Aufgabe. Ich will es dennoch versuchen – denn gerade ein solches Jahr wie 2010 darf nicht unkommentiert bleiben.
Im folgenden werde ich persönliche und politische Betrachtungen anstellen, so daß für jeden hoffentlich etwas dabei ist.
Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der inneren Einkehr und der Besinnung – dazu muß man nicht religiös geprägt sein, aber eine gewisse Grundstimmung durchdringt uns alle dieser Tage.
Ich denke an alle Menschen da draußen, aber natürlich besonders an diejenigen, die ich persönlich kenne, und mit denen ich sowohl im realen Leben als auch über Telefon und Internet in Kontakt stehe.
Leider habe ich es mal wieder nicht geschafft, mit allen so in Kontakt zu bleiben, wie ich das gerne hätte, aber diese „Ansprache“ ist ein kleiner Versuch auch das wieder wett zu machen.
Das Internet hat sich – zumindest für mich – zu einem äußerst nützlichen Werkzeug gemausert. Die „sozialen Netzwerke“ sind eine Errungenschaft, deren Gebrauch sowohl Chancen als auch Gefahren beinhaltet. Ich, für meinen Teil, sehe aber den Nutzen und die Chancen in der Überzahl. Überrascht bin ich jedenfalls, wie viele alte Bekannte, Schulkameraden und andere hoffnungslos verschollen geglaubte Leute man wieder findet. Außerdem können auch Menschen, die man erst in facebook o.ä. kennengelernt hat, eine Bereicherung für den eigenen Horizont darstellen. À ce point: Bonjour à la Belgique! ;-)
Im Jahr 2010 haben einige meiner Freunde ihren Universitätsabschluß gemacht, worüber ich mich für sie freue – auch für mich wird es hoffentlich alsbald soweit sein. Bis dahin dauert es zwar noch etwas, aber es wird Zeit.
Die Universität Bonn erscheint mir gerade in den letzten Monaten wie ein leerer Hafen, in dem man früher jedes Schiff kannte, das an oder ablegte. Aber nun liegen dies Kais verwaist da, und man kennt niemanden mehr. Ein untrügliches Zeichen, daß es Zeit ist zu gehen.
Gebe Jott, das mein Graecum und die Magisterprüfung mir im kommenden Jahr gelingen werden, ebenso wie den anderen noch verbliebenen Magisterkandidaten ihre letzten Prüfungen gelingen mögen.
Für die Kommilitonen, die ihren Abschluß bereits gemacht haben, und sich nun im realen Leben zurecht finden müssen, wünsche ich das nur das beste.
Leider gehörten auch Todesfälle zum Jahr 2010 – nicht nur Loki Schmidt, sondern auch meine Großtante Angelika ist nach langer und schwerer Krankheit von uns gegangen. Ich hatte am 2. Mai diesen Jahres noch einmal Gelegenheit sie in Speyer zu besuchen. Es war leider das letzte Mal. Die Tant Jeli hat mir seinerzeit den letzten Ausschlag gegeben, Geschichte zu studieren. Ihre besondere Art bleibt in unserer Familie unvergessen.
Weihnachten und die Zeit vor dem Jahreswechsel ist auch die Gelegenheit, um „danke“ zu sagen.
Ich möchte mich nun bei einigen besonders bedanken, ohne deren Namen zu nennen – werde die betreffenden aber so beschrieben, das sie sich selbst erkennen können ;-)
Da wäre zunächst eine Kapazität der Vulkan-Eifler Kommunal und Regionalpolitik, der sowohl mäßigend auf mein Temprament eingewirkt hat, als auch für mich das ein oder andere gute Wort eingelegt hat. Ich werde versuchen, mich für dieses Vertrauen auch als würdig zu erweisen.
Desweiteren möchte ich mich bei einem Niedersachsen bedanken, dem ich eigentlich sogar einen Orden hätte verleihen wollen – wenn ich einen Orden hätte den ich verleihen könnte. Manchmal lohnt es sich, ausgetretene Pfade zu verlassen, und die Ratschläge eines (im freundlichen Sinne des Wortes) Irren zu folgen. Die Befolgung dieser Ratschläge führte zum Erfolg, wenngleich dieser sich im nachhinein von zweifelhafter Natur erwiesen hat...
Und an dritter Stelle dieser besonderen Auszeichnung möchte ich mich bei der wohl würdigsten Botschafterin des Westerwaldes für ihre Geduld und Aufmerksamkeit bedanken.
Für meine Verhältnisse bin ich recht viel herumgekommen im Jahr 2010 – von den Höhen des Siegerlandes bis nach Lüttich und den Strand von Oostende – von Aachen, Köln und Münster bis nach Speyer und Edenkoben in der Pfalz.
Manche Reisen waren schön, andere „dienstlich“, die meisten anstrengend, bisweilen auch teuer, einige sogar schicksalshaft. Dennoch schadet es nie, durch eine Reise den eigenen Horizont zu erweitern. Auslandsaufenthalte, und dauern sie auch nur wenige Stunden, können manchmal den Blick auf die heimischen Gegebenheiten schärfen. (Bei belgischem Bier und Fritten sieht Rheinland-Pfalz ganz anders aus!)
Natürlich kann ich nicht auf das Jahr 2010 zurückschauen, ohne dabei auf die Jusos einzugehen.
Das Jahr 2010 hat uns gezeigt, das politisch Verantwortliche gelegentlich zum plötzlichen Rücktritt neigen – zweifelsohne ist dieser Satz für mich speziell nicht ganz frei von einer gewissen Ironie – aber zum gesunden Menschen gehört es, das man am Jahresende rückblickend auch über sich selbst schmunzeln kann; in der Beziehung bin ich mir bei den prominenten Beispielen aus der anderen Partei nicht so sicher.
Ich war bis Ende August Vorsitzender des Juso UB Ahrweiler – während der zehn Monate meiner Amtszeit war dies eine Aufgabe und Herausforderung die ich gern und mit Stolz wahrgenommen habe. In diesen zehn Monaten haben der Vorstand und ich es geschafft zwei neue AG´s aus der Taufe zu heben – mit dem Resultat das wir nun im ganzen Kreis Ahrweiler wieder vertreten sind. Möge dieser Zustand lange anhalten und in guter Arbeit für die Menschen, besonders die jungen, münden.
Die Gründe für meinen Rücktritt sind keineswegs politischer Natur, sondern menschlicher Natur gewesen. Ich möchte nicht näher darauf eingehen – lediglich sei gesagt, das sich Menschen mir gegenüber in einer Art und Weise verhalten haben, die feige und unangebracht war.
Meinen beiden Stellvertretern (an euch ebenfalls noch ein „Danke!“), die unter dem neuen Vorsitzenden ihre Ämter weiter inne haben und dem neuen Vorstand als ganzem wünsche ich viel Erfolg – ich werde euch mit Rat und Tat auch in der Zukunft zur Seite stehen.
Interessant war es zu verfolgen, daß die politische Willensbildung innerhalb eines Jugendverbandes nicht zwangsläufig homogen ist. Höheren Ortes war man gelegentlich verwundert über unsere, respektive meine, Ansichten. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, daß von unterschiedlichen Ansichten eine gewisse Lebendigkeit ausgeht, die einer großen Gruppe nur gut tun kann.
Vielleicht sind wir im Kreis Ahrweiler ein besonderer Schlag Menschen, und demzufolge auch ein besonderer Schlag Jusos.
Von uns Ahrweilern wird man auf Regional und Landesebene gewiß noch hören –zumal ich ja gerade den Arbeitskreis Jugendmobilität initiiere. Die Situation des ÖPNV in Kreis und Land leider erforderlich, aber ich denke wenn wir Jusos uns dieser gerechten und richtigen Sache annehmen, dann wird dabei für die jungen Menschen in Rheinland-Pfalz etwas gutes dabei herauskommen. Ich freue mich bei der Gelegenheit schon auf die Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Rheinland und den Jusos auf Landesebene.
Natürlich bin auch weiterhin in der hier im Kreis in der SPD und bei den Jusos aktiv, und freue mich das kommende Jahr in meinem Ortsverein Bad Breisig und in der Juso-AG Reinschiene.
Ich weiß natürlich, daß nicht alle ihr da draußen unbedingt an Politik interessiert seid, oder gar mit der SPD sympathisiert, - es gibt auch andere schöne Parteien, aber die Vorsehung hat mich nun mal zu einem Sozi gemacht, und ich bin deswegen nicht traurig.
Was noch über die Religion zu sagen wäre:
Als aller erstes: Natürlich müssen Sexualstraftaten aufgeklärt und nicht vertuscht werden. Natürlich müssen die Täter bestraft, und die Opfer geschützt werden. Dies steht wohl außer Frage.
Doch haben wir in diesem Jahr leider erleben können, das eine große Welle durch die Gesellschaft geschwappt ist: Unter dem Deckmantel der Aufklärung und des Humanismus, gegen die als solches nichts einzuwenden ist, trugen sehr viele Äußerungen Züge einer „Hexenjagd“ – allerdings im umgekehrten Sinne. Bisweilen mutete es schon fast wie eine „Christenverfolgung“ an. Wenngleich man sich im modernen, digitalen Web2.0-Zeitalter den Scheiterhaufen und Gewalttaten spart, so ist doch das allgemeine „Christenbashing“ keine Zeiterscheinung, die auf Dauer gut für die Gesellschaft und unser Land sein kann.
Das Christentum hat, konfessionsübergreifend, große Kulturleistungen in unserem Land hinterlassen von denen noch heute alle Menschen, gleich welchen Bekenntnisses auch immer, profitieren. Außerdem gibt die christliche Religion ihren aktiven Mitgliedern Trost, Halt und Stärkung für die alltäglichen Schwierigkeiten.
Wenn nun pädophile Priester als solche enttarnt werden, so gilt es sie zu bestrafen, wo man sie nur findet. Das es viele Priester gibt, die dem seitens der Kirche selbst auferlegten Anspruch nicht gerecht werden, beweist schließlich, das alle Menschen fehlbar und fehlerhaft sind. Alle. Schrecklich und entsetzlich ist es aber, wenn es Menschen sind, die Verantwortung für andere übernehmen.
Allerdings ist von vielen selbst ernannten Aufklärern der Eindruck erweckt worden, das grundsätzlich nur katholische Geistliche sich solcher Taten strafbar gemacht hätten. Man hätte fast zu der Ansicht kommen können, das Katholiken geradezu dazu ausgebildet werden, pädophil und unmoralisch zu sein.
Einen Satz, den ich dieses Jahr gelesen habe, hat mich persönlich besonders getroffen, und sogar beleidigt: „Wie kann man als aufgeklärter moderner Mensch noch Mitglied in der katholischen Kirche sein?“
Wer das Phänomen „Kirche“ lediglich an lügenden Bischöfen und kriminellen Priestern mißt, der hat ihr Grundprinzip nicht verstanden und sollte sich zurückhalten. Der eigentliche Kern hat mit Vorgängen zu tun, derer wir jedes Jahr an Weihnachten und Ostern gedenken. Denn Weihnachten ist nicht das Fest der Geschenke, sondern ein Geburtstagsfest eines bestimmten Menschen. Ein Mensch, der in seinem späteren Leben, freiwillig alle Schuld der ganzen Welt auf sich genommen hat.
Man hätte in diesem Jahr auch zurecht fragen können: „Wie kann ein moderner, aufgeklärter Mensch weiterhin Mitglied in der SPD sein? Wo doch Sarrazin solche Äußerungen von sich gibt?“
Nun – hier kann man beobachten: Wenn der unliebsame Geist Mitglied im „eigenen Verein“ ist – so möchte man diesen einzelnen gerne ausschließen. Wenn aber derjenige Teil einer Organisation ist, die man ohnehin nicht mag, dann läßt es sich bequem damit leben, den pars pro toto sprechen zu lassen. Es erschien mir bisweilen, als wolle man mit „Gewalt“ die Religion als solche bekämpfen – ungeachtet der Gefühle der Menschen, die glauben. Wer das Christentum nur auf Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, und den Vatikan reduziert, der ist meines Erachtens nach dumm.
Bei allem, was zurecht kritisiert worden ist, und bei allem, was in Zukunft noch aufgeklärt werden mag, eines möchte ich nicht: Mich eines Tages dafür rechtfertigen müssen, das ich nach wie vor katholisch bin. Zumindest nicht auf der linken Rheinseite. Mainz, Trier und Köln sind nicht umsonst die Städte, die sie sind. Mit Abstrichen ließen sich auch Aachen, Worms und Speyer hinzurechnen. Und Trier ist für mich hauptsächlich nicht der Geburtsortes eines Volksfreundes, sondern hat eine tiefergehende Bedeutung.
Bliebe die frage: Darf ein Juso an etwas glauben? Darf er sogar katholisch sein?
Meine Antwort: Ja, er darf. Ich gönne und respektiere den Glauben aller Menschen, ihre Ansichten, ihre Geistesauffassung – allerdings möchte ich auch meinen Glauben respektiert wissen. Es kann nämlich nicht sein, das sich eine Gesellschaft, oder eine Partei, oder eine „Communnity“ sich zur toleranten Zone erklärt, aber ausgerechnet eine bestimmte Gruppe aufgrund der Verfehlungen eines Teiles dieser Gruppe, die gesamte Gruppe über einen Kamm schert. Das ist ungerecht und falsch. Und im übrigen hat sich das aufstellen von Kerzen und die Verrichtung von Gebeten bislang nicht als schädlich erwiesen.
Was über die Politik, Gesellschaft und die SPD noch zu sagen wäre:
Das Leben wär so schon, wenn es „nur“ die Religion wäre, die an Einfluß in der Gesellschaft verlieren würde. Aber es sind auch die Parteien. Wer wüßte das besser als wir Sozialdemokraten.
Durch die Agenda 2010 haben wir Sozis leider sehr viel an unserer gesellschaftspolitischen Reputation eingebüßt – und bislang auch keinen Weg gefunden, dies wieder zum besseren zu wenden.
Es ist allerdings ein Trend, der sich auch bei anderen Parteien feststellen läßt: Die Mitglieder schwinden, die Menschen auf der Straße interessieren sich immer weniger für Politik.
Die Gewerkschaften sind auch nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ich sehe die ernsthafte Gefahr, das es keine große übergreifende „Klammer“ mehr gibt, die die unterschiedlichen Teile der Gesellschaft zusammenhalten könnte. Die Kirchen, die Gewerkschaften, die SPD, alles geht den Bach runter. Diese Entwicklung kann nicht gut sein.
Die deutsche Fußballnationalmannschaft allein kann nicht staatstragend sein – es nützt nichts wenn sich alle zwei Jahre im Sommer die deutsche Gesellschaft zu einem „Wirgefühl“ zusammenfindet. In der Zeit zwischen internationalen Fußballturnieren sind wir auch eine Gemeinschaft die sich auf einen Konsens und ein geregeltes Allgemeinwohl verständigen muß. Wir sind eine Solidargemeinschaft, wir sitzen „in einem Boot“. Deshalb sind Parteien, allen voran die SPD, die Gewerkschaften aber auch die Kirchen wichtig.
Die Hinwendung unserer Gesellschaft zu einer spontanen „Flashmob“-Kultur und einer egozentrischen Web-basierten 2.0-Kultur allein muß meiner Ansicht nach ins Chaos führen.
Man kann ein Gemeinwesen von 82 Million Seelen nicht allein per „like/dislike – Button“ über facebook organisieren geschweige denn regieren. Wenn jeder nur noch „sein Ding“ macht, dann ist bei uns irgendwann in Zukunft „Schicht im Schacht“.
Ich bin in den sozialen Netzwerken, die ich grundsätzlich für eine positive moderne Errungenschaft halte, dieses Jahr vielfach drauf angesprochen worden, wir würden nicht mehr in einer Demokratie leben. Es gäbe keine Beteiligung der Bürger mehr – und überhaupt Parteien wären out.
Ich konstatiere hier zwei Versäumnisse: einmal das Versäumnis der Politik, seitens der Parteien, auch der SPD, rechtzeitig mit den Bürgern „mitgegangen“ zu sein. Man hätte die eigenen Schritte schon vor Jahren besser medial transportieren müssen, uns wäre manchen Schlappe erspart geblieben.
Andererseits muß man auch den Bürgern ein Versäumnis ankreiden: Wenn man aus Bequemlichkeit seine Rechte der demokratischen Teilhabe nicht mehr wahrnimmt, sondern eben nur noch „sein Ding“ macht, darf man sich nicht wundern, das die Politik Entscheidungen fällt, die einem nicht immer gefallen. Dies gilt nicht nur für Wahlen alle vier bis fünf Jahre, sondern auch für Versammlungen, öffentliche/amtliche Bekanntmachungen etc.
Wenn die Menschen in Stuttgart die amtlichen Bekanntmachungen betreffs des Bahnhofsbaus gelesen hätten und in den vergangenen Jahren (!!!) zu öffentlichen Sitzungen der Räte erschienen wären, hätten sie gewußt was auf sie zukommt, und vielleicht eine andere Regierung gewählt.
Es ist die Partei der Grünen, die unbewußt oder bewußt mit ihren populistischen Aktionen in Stuttgart und Gorleben der hedonistischen Kultur und dem damit verbundenen Politikverständnis Tür und Tor öffnen.
Leider läuft unsere SPD in diesen Tagen den Grünen hinterher. Unsere Parteizeitung heißt jedoch „vorwärts“ und nicht „hinterher“.
Es ist an der Zeit das die Sozialdemokratie ihr Selbstverständnis als Vertretung „des kleinen Mannes“ wiedererlangt – und dies auch deutlich zeigt. Mein thematisches Steckenpferd – die Eisenbahn in Deutschland – böte für die SPD ein ideales Feld, wieder mit Volkes Stimme (und Zustimmung) zu sprechen. Die SPD sollte dies auch tun – bevor es die Grünen tun!
Es kann auch nicht damit getan sein, das man sich seitens der SPD (besonders der linken Flügel innerhalb der Partei und der Jusos) nur noch als ein Teil, ein Bundesgenosse „der politischen Linken“ zusammen mit den Grünen und der Linkspartei sieht, die „Seit an Seit“ gegen die schwarz-gelbe „politische Rechte (resp. Mitte)“ kämpft.
Die SPD muß ihren Führungsanspruch wieder deutlich machen, aber auch dafür kämpfen. Dazu gehört es aber auch, das man sich in vielen Fragen von der Linkspartei und den Grünen distanziert, und eigene Konzepte vorlegt die dann auch publikumswirksam propagiert werden. Ich, für meinen Teil, will mich nicht mit Claudia Roth verbrüdern. Oder verschwistern. Oder wie auch immer das auf omni-tolerantisch-metrosexuellisch heißen mag.
Den linken Flügeln sind die versteinerten Genossen Brück&Meier zu „rechts“ – verständlich bei der inhaltlichen Nähe zu dem bei mir in tiefste Ungnade gefallenen Nobel-Schröder. Dem lupenreinen Volksverräter. Das ändert aber nichts dran, das auch ich den beiden höchste Kompetenz attestiere. Wenn da eben nicht das Damoklesschwert in Gestalt der Agenda-Politk über ihren Häuptern schwöbe...
Die Genossen Gabriel und Nahles sind auch gut – man könnte jetzt nichts unredliches an ihnen finden. Allerdings scheint es mir, es fehle ihnen der rechte „Biß“. Auf Bundesebene sind wir Sozis vielleicht noch auf der Suche – die Suche nach einer großen, mitreißenden Idee, die das Volk von uns begeistert, als auch nach den Führungsgestalten die das dann auch mitreißend gestalten können.
Lediglich wir in Rheinland-Pfalz sind eins mit unserem Ministerpräsidenten Kurt Beck, und deshalb wählen wir ihn auch gerne wieder; inschallah!
(ja gut, es sind vielleicht nicht alle, die das hier lesen von der SPD und Kurt Beck begeistert, aber jedem einem Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann – selbst wir Sozis nicht, auch wenn wir es ständig versuchen...).
Wie dem auch sei: ich hoffe für alle wahlkämpfenden Genossen im Jahr 2011 die bestmöglichsten Ergebnisse, und möglichst wenig Kompromisse mit eventuellen Koalitionspartern! Glück auf!
So – nun genug der vielen Worte. Wer bis hier her alles gelesen hat, dem ist zweifelsohne Tapferkeit und Durchhaltevermögen zu attestieren.
Natürlich werden jetzt viele anderer Meinung sein als ich, aber das gestehe ich ja jedem zu. Wichtig ist aber, so denke ich, das jeder von uns sich eine eigene Meinung bildet, und wenn möglich sie durch Wort und Tat für das Allgemeinwohl umzusetzen vermag. Für mich ist dies der Kampf um die (soziale) Gerechtigkeit.
Der Grundbegriff dessen, was wir „Gerechtigkeit“ nennen ist in unserem Kulturkreis von jenem jüdischen Zimmermann aus Galiläa maßgeblich mit geprägt worden, dessen Geburtstag wir zu Weihnachten feiern.
Und in Anbetracht der Tatsache, daß dieser Mensch unter denkbar unscheinbaren Umständen zur Welt kam: In einem Stall, ohne jegliche Annehmlichkeiten, und dennoch die ganze zivilisierte Welt mehr oder minder geprägt oder wenigstens beeinflußt hat, kann uns erkennen lassen, daß es oft die kleinen Dinge, die unscheinbare sind, die die größten Auswirkungen haben.
Auch wenn wir uns manchmal recht verloren in dieser Welt vorkommen mögen: Irgendwo sind wir doch alle Teile eines großen Ganzen, für das es sich lohnt, zu leben.
In diesem Sinne:
Frohe Weihnachten und Gottes Segen und Guten Rutsch ins Jahr 2011
Martin Mundorf
DATUM EST AD VICUS GLOBISTRUS V PRIDIE KALENDAE IANUARIS ANNO INCARNATIONE DOMINI NOSTRI MMXI - DIES SANCTUS STEPHANUS ANNO INCARNATIONE DOMNINI NOSTRI MMX
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