"Martin - du bist ein Mensch, der öfters mal mit dem Kopf durch die Wand will - und das tut dann auch mal der Wand weh...!" (St. Nikolaus zu Martin Mundorf, 2011)
WIR,
MARTINVS, ad gratias dei Mundorf • socius belarussiae • chef imp rex imperio mundorfi univ • dux auerbergensis • praesidentus iusosque ahrweilerensis • tribunitias potestas iusorum III • senior castrum auerbergensis stundetii • tribunitias studentii aubergense I • amicus proletarii • defendor iust soci • filius urbs ricomagus et vicus globistrus • rhenanius catholicus • iuso pragmaticus • mohicanus ultimus •
Wünschen:
Den lieben Mitmenschen, Kommilitonen, Genossen, Weißrussinnen, Russinnen und allen anderen!
Ob Mann, Frau, jung, alt, groß, klein, Jusos, Sozialdemokraten, politische Konkurrenz, Rheinländer, angehende Juristen, Katholiken, Eisenbahnfreunde, Germanisten, Russisch-Orthodoxen, Archäologen, Belgier, Geografen, Kölner, Kommunalpolitiker, Historiker, Krankenschwestern, BaföG-Empfänger, Zugezogene, Protestanten, Düsseldorfer, Atheisten, Tradis, Pragmatiker, Homos, Heteros, Rentner, Rheinhessen, Westfalen, Pfälzer, und weiß der Kuckkuck noch:
Eine frohe und jesechnete Weihnachtszeit, einen juten Rutsch und Jottes Sejen für das Jahr 2012!
Und wieder geht ein Jahr. Diesmal ist es das erste, in dem ich mich den 30 Lenzen näher gefühlt habe, als den 20.
Guttenberg und Fukushima habe ich mitbekommen, aber darüber wurde soviel geschrieben, gesprochen und gesendet, dem habe ich nichts mehr hinzu zu setzen. Daher belasse ich es dieses Jahr bei den folgenden drei Punkten:
1.) Politik
Ich möchte den politischen Teil kurz halten, da ich weiß, das nicht alle LeserInnen daran interessiert sind - aber ohne SPD kein Mundorf
(...und umgekehrt, aber das kommt noch irgendwann ^^ )
Unser Juso-Unterbezirk, der bald ein Kreisverband sein wird, hat sich trotz meiner Abwesenheit im Vorstand nicht meiner tatkräftigen Mitwirkung entziehen können - und das ist auch gut so!
Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen für unsere SPD Wahlkampf gemacht - im Kreis Ahrweiler wie zu erwarten war dies eher vergebene Liebesmüh, aber immerhin wir haben unseren Teil dazu geleistet. Die SPD hat dieses jahr bei diversen Landtagswahlen gut abgeschnitten, in Rheinland-Pfalz hat sie um Sackhaaresbreite gewonnen.
Es wird Zeit, das sich die Genossen in Mainz darüber klar werden müssen, das die ewige Lobhudelei auf sich selbst beim Wähler nicht gut ankommt. Dank Beck, Hering und Schweitzer scheint die Sonne eben nicht heller, das Gras ist deswegen nicht grüner, und die Weine haben nicht mehr Oechslegehalt - auch wenn viele zwischen Laacher See und Wörth das gerne so glauben möchten. Der Juso Landesverband Rheinland-Pflaz war enttäuscht vom Wahlergebnis bei den Erstwählern, also der eigenen Zielgruppe. Als Teil dieser Zielgruppe wäre ich auch enttäuscht von den Jusos in Rheinland-Pfalz: Mit der Forderung nach Sozialismus ist heutzutage niemand mehr hinter dem Ofen hervorzulocken, außer der Linkspartei und den Jusos. Wenn eine soziale, gerechte und tolerante Gesellschaft verwirklicht werden soll, dann muß dies ohne die alten Hüte mit Hammer und Sichel, ohne die Klassenkämpferischen Parolen von Anno Tubbak erfolgen; UND: man muß
Realist sein, sich den Bedürfnissen im Hier und Jetzt annehmen. Der Sozialismus ist seit 1990 tot - genauso wie das Zeitalter der Ideologien.
Es gibt keinen Wettstreit ziwschen Kapitalismus und Sozialismus mehr. Der Kapitalismus schafft sich sukkzessive selber ab, wie wir in diesem Jahr an der Eurokrise selbst vorgeführt bekommen haben. Dieser Wettstreit war ein Phänomen des 20. Jahrhunderts - und das haben wir ja nun seit über einem Jahrzehnt hinter uns gelassen. Den neuen Problemen des 21. Jahrhunderts müssen wir mit neuen Rezepten begegnen. Und uns nicht wundern, warum außerhalb der Linkspartei und der Mehrheit der Jusos niemand etwas mehr von diesen verstaubten Parolen wissen will.
"Ich bin gerne und mit "Leib und Seele" Sozialdemokrat, aber dies in Rheinland-Pfalz sein zu müssen, und obendrein als Juso, schäme ich mich bisweilen."
- (Martin Mundorf in seiner legendären Ansprache vom 31.12.2011)
"Stell dir vor, es ist SPD Parteitag, und der Liebe Gott hält die Eröffnungsrede" - so ungefähr habe ich unlängst die SPD und ihr Verhältnis zu Helmut Schmidt betituliert.
Ich mag den alten Mann, aber erhat sich in seiner Rede geirrt, bzw. ich würde die Lage anders bewerten: Gerade weil Deutschland verhältnismäßig gut durch die gegenwärtige Krise gekommen ist, sollten wir aus der Verantwortung gegenüber Europa zupacken, und helfen wo es geht, und dies auch aus vollem Selbstbewußtsein tun. Eine deutsche "Kraftmeierei" ist durchaus sinnvoll, aber nur dann, wenn sie einem gemeinverantwortlichen, sozialen Duktus folgt, und nicht mit jenen negativen Kräften einhergeht, die Helmut Schmidt und mein Opa Hanns leibhaftig miterlebt haben. Aber auf Chancen verzichten, wo es hirnrissig ist, ist gute alte deutsche sozialdemokratische Tradition.
Zu meiner (politischen) Person muß ich bemerken, das ich es sehr schade finde, das die Jusos in Rheinland-Pfalz mich nicht in ihren Landesvorstand gewählt haben. Nicht das ich nachtragend wäre - ich bin nicht wütend oder enttäuscht - obwohl ich das von mir selbst erwartet hatte. Offenbar werde selbst ich mit dem Alter milder... ABER was mich fuxst: Ich hab das Gefühl meine moselfränkischen, rheinhessischen und pfälzischen Genossen haben "die falsche Sau geschlachtet" bzw. eine Chance vertan. Es hätte dem Landesverband gut zu Gesicht gestanden, ein Risiko einzugehen, über dessen positiven Ausgang ich vollkommen überzeugt bin, anstatt ausgetretene Pfade weiter zu beschreiten- und sich wundern, das die Öffentlichkeit sich abwendet.
Noch eines hat die Landeskonferenz der Jusos RLP in Ingelheim gezeigt: Der Kreis Ahrweiler paßt von seiner Mentalität her nicht nach Rheinland-Pfalz. Schöne Landschaft, liebe Genossen, leckere Weine: Aber es ist ein anderer Menschenschlag. Wir im Kreis AW sind Rheinländer -
und zwar so, wie man sie überregional mit Köln/Bonn/Aachen assoziiert. Und wenn zwei westfälisch-stämmige vaterlandsverräterische Jusos nicht gewesen wären, hätte sich unser Unterbezirk für einen langfristigen Anschluß an NRW ausgesprochen... aber gut Ding will Weile haben!
An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich "meiner" Delegation auf der Juso- LaKo danken: Ihr habt mich stolz gemacht, und ich bin gerne für euch in das Haifischbecken gesprungen. Wer so eine Truppe wie euch hinter sich stehen weiß, der traut sich überall hin.
Bereits im Mai war es mir eine Ehre, für die Jusos des Kreis Ahrweiler zum Bundesdelegiertentreffen nach Berlin zu fahren: Meine MdB und unser aller Generalsekretärin Andrea Nahles weiß ja nie ob sie lachen oder weinen soll, wenn sie mich sieht: Einerseits freut sie sich jemand katholisches bei sich zu wissen, aber wenn es dann um andere Fragen geht, rümpft sie dann die Nase und schreibt auch mal Briefe, die unsere Juso-Arbeit vor Ort auf den "richtigen" Pfad zurückführen sollen - aber wir machen weiter, und lassen uns nicht beirren.
Am 26.11. wieder zum Vorsitzenden gewählt zu werden, war mir nicht nur ein Vergnügen, sondern auch ein inneres Bedürfnis und eine Genugtuung:
Wer persönliche Fehler der vergangenheit hinter sich läßt, und von den GenossenInnen wiedergewählt wird, der geht mit doppelter Kraft und Freude wieder ans Werk. Und diesmal bleibe ich auf dem Posten, auf den das Schicksal mich gestellt hat - mögen die kreisstädtischen Pharisiäer in den eigenen Reihen murren wie sie wollen: Zum guten Schluß siegt ja doch die Wahrhaftigkeit.
Die von unserer Konferenz beschlossene engere Zusammenarbeit mit Jusos aus NRW werde ich höchst persönlich weiter betreiben - die Kölner und seit neuestem auch die Düsseldorfer werden es erleben - unsere direkten Nachbarn im Norden nicht minder.
Ich könnte noch viel über Politik schreiben, aber ich möchte es an dieser Stelle bewenden lassen - mehr wenn ihr mich wieder seht...!!!
2.) Studium
Was mein Studium betrifft: Es war ein Kraftakt, ein Gewaltakt, eine Feuerprobe auf Biegen und Brechen, das Graecum zu bestehen. Mein Magister-Studiengang erforderte es nun mal, zum Anmeldezeitpunkt zur Magisterprüfung das Graecum vorweisen zu können. Ich danke dem Schicksal, das es mir Frau Czapla als Griechsich-Lehrerin zugeteilt hat: Liebenswürdige pädagogische Bösartigkeit und Erbarmungslosigkeit bringt selbst mich dazu, Grammatik zu büffeln. Zu der Musik von "Rocky Balboa" habe ich Partizipien und Verbformen exerziert. Im Traum habe ich auf auf gut abgehangene Partiziphälften eingeschlagen und Verbendungen beim Seilspringen wiederholt. Es hätte nicht gefehlt, und ich hätte nach der schriftlichen Klausur "Adriane...Adriane" gerufen.
Das Schicksal in Form der Magisterprfüfungsordnung samt der besonderen Erscheinungsform als Verlängerung bietet mir bis zum 17. Januar 2012 diese letzte wirklich große Hürde, um meinen akademischen Abschluß zu erreichen. Gebe Gott, das es mir gelingen mag, Mein Thema, die Frage
nach der Kultplatzkontinuität in der Spätantike in der römischen Provinz Germania Secunda, in hinreichender Weise zu bearbeiten. Ich stoße auf Probleme, die sich ein wißbegieriger Mensch wie ich sich wünscht: Es gibt keine vernünftige Literatur. So muß ich denn auf den allerletzten Drücker improvisieren. Und wenn ich eines kann, dann das. Und wenns mit meinem Studium nix wird, werde ich Marzipanfabrikant. Aber die Aufannischen Matronen mögen hoffentlich mit mir sein!
Unterdessen habe ich mich im Sommer des nun endenden Jahres im einem Anfall geistesblitzendem Größenwahn zum Seniorstudenten meines Wohnheims Pariser Straße/Auerberg wählen lassen. Um keinen Preis der Welt möchte ich auf die Menschen wieder verzichten, die ich in der kurzen Zeit habe kennenlernen dürfen. Auch außerhalb der Jusos gibt es Menschen, die einem das Vertrauen aussprechen und einem Verantwortung übertragen.
Es macht großen Spaß und Freude, und erfüllt mich mit Stolz an der Seite von Martina, Katharina, Jubin, Yannick und all den anderen das Leben in unserem Wohnheim zu meistern und zu organisieren. Auch die anderen neuen Freunde, Manuel, Inga, Marie-Sophie, um die wichtigsten zu
nennen, sind eine wahre Bereicherung für das Leben eines Menschen, der immer meinte, ein Eigenbrödler sein zu müssen!
3.) "Sowjetunion"
Ich kann diesen Jahresrückblick nicht beschließen, ohne meine neue Passion zu erwähnen: Alles Russische.
Die Sowjetunion gibt es nicht mehr, aber vom "Russen" zu sprechen, wäre nicht ganz richtig: Dieser außergewöhnliche Kulturkreis schließt Weißrussen, Ukrainer, Kasachen und viele andere mehr mit ein. In Martin-Mundorf-typischer Manier hat es mit einer besonderen Frau begonnen:
Eine Stunde auf der Tanzfläche, ein Kuss und ein paar schöne Blicke haben ausgereicht, meine Begeisterung für die "Sowjetunion" (ich nutze dieses Wort mal aus Zusammenfassung für viele Länder zu einem großen Kulurkreis - ich bin ja auch schon so ein alter Sack, das ich das auch
noch so tun darf...) nun schließlich soweit haben gedeihen lassen, mich für einen Sprachkurs anzumelden - als hätte ich dieses Jahr nicht mit Altgriechisch nicht schon genug gehabt.
Ich schätze "Rußland" schon, seit ich ein kleiner Junge war. Meine Schulkameraden waren immer so auf die USA fixiert - aber in meiner Familie konnte niemand besonders gut englisch, wir hatten kein Satelittenfernsehen, und deswegen bin ich ohne amerikanische Fernsehserien aufgewachsen - eine Seltenheit in Westdeutschland. Statt dessen hat mir mein Großvater (der Vater meines Vaters) oft aus dem Krieg erzählt: Rußland wäre unvorstellbar groß, und im Winter sehr kalt - und er war froh nicht dort in Kriegsgefangenschaft geraten zu sein.
Der Vater meiner Mutter war mit seinen Brüdern auch in Rußland, der eine ist in Wjasma gefallen, der andere in Stalingrad (Wolgograd) vermißt. Er selbst war bis 1951 im Kriegsgefangenenlager Nr. 84 bei Asbest, nördlich von Swerdlowsk (Jekaterinenburg) - aber er hat nie über Rußland gesprochen.Vielleicht hat mich das neugierig gemacht, warum das so war.
Außerdem haben meine Eltern 1991 etwas sehr komisches gemacht: Sie haben sich ein russisches Auto gekauft Wir waren wohl die einzige Familie in Westdeutschland, die einen dunkelblauen LADA hatte. Aber da ist noch etwas, durch das ich schon früh auf Rußland neugierig geworden bin: Da ich mich ja für Geschichte interessiere, besonders für die Römer, war ich fasziniert davon, das Rußland, die Zaren und Moskau sich als "drittes Rom" (neben Konstantinopel und Rom) als Nachfolger der alten Römer gesehen haben, und das die orthodoxe Kirche in Rußland weiterbestand, während sie im Orient von den Muslimen verdrängt wurde.
Das ist so in ganz kurzen Worten umschrieben, warum ich mich schon immer etwas für Rußland interessiert habe.
Mit anderen Worten: Ich bin neugierig geworden !!!
Jedenfalls danke ich dem Schicksal, die Bekanntschaft von Helena gemacht zu haben - jeder Prozess braucht einen kleinen Auslöser, durch den er ins Rollen kommt. Noch mehr danke ich dem lieben Gott und dem Schicksal, das mein Leben nun eine Gefährtin hat - Tanja. Nun lerne ich nicht nur alles "russische", sondern ich liebe es auch. Таня, я люблю тебя!
Es gäbe mit Sicherheit noch vieles zu erwähnen, was dieses Jahr 2011 wichtig war, aber wenn ich die Namen Limbo, Christiane, Isabeau, Marco und Angelina nenne, wissen die betreffenden, das ich sie nicht vergessen habe.
DATVM EST AD CASTRVM AVERBERGENSIS PRIDIE KALENDAE IANUARIS ANNO INCARNATIONE DOMINI NOSTRI MMXII
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